it-sa 2026: KI-Agenten brauchen eine eigene Identität
Die it-sa 2026 in Nürnberg zählte 1.005 Aussteller und mehr als 33.000 Fachbesucher, rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr. In den Hallen kehrten dieselben Fragen immer wieder: Wer kontrolliert KI-Agenten, wie schnell lassen sich Lücken schließen und was muss nach einem Angriff zuerst wieder laufen?
Das Wichtigste in Kürze
- KI-Agenten brauchen eine eigene Identität. In vielen Unternehmen arbeiten sie mit den Rechten der Menschen, die sie beauftragen. Jeder Agent braucht eigene Rechte, ein Ablaufdatum und einen verantwortlichen Menschen.
- Das Patch-Fenster schrumpft. KI verkürzt die Zeit bis zur Ausnutzung von Schwachstellen. Wer Lücken der Reihe nach abarbeitet, kommt zu spät.
- Seit dem 11. September 2026 gilt die Meldepflicht des Cyber Resilience Act. Die Frühwarnung ist binnen 24 Stunden nach Kenntniserlangung fällig, die detaillierte Meldung binnen 72 Stunden.
Verwandt: Ein CISO nimmt der Unternehmensleitung ihre Verantwortung nicht ab · Wenn der Security-Stack schneller wächst als die Strategie · Cyber-Versicherung: Ohne Nachweise wackelt die Police · Black October: Viele Angriffe liefen seit Monaten
KI-Agenten handeln mit geliehenen Rechten
Auf der it-sa 2026 landeten unsere Gespräche immer wieder bei derselben Frage: Wer kontrolliert die KI-Agenten? In vielen Unternehmen arbeiten sie mit den Rechten der Menschen, die sie beauftragen. Ein Agent, der im Namen einer Vertriebsleiterin Mails liest und Angebote anlegt, kommt mit zu weit gefassten Rechten an alles, was sie sehen darf, auch an Daten, die er für seine Aufgabe nie braucht.
Die Antwort, die sich in Nürnberg abzeichnete, kommt aus dem Identitätsmanagement. Identität wird zur Kontrollebene für jede Handlung, egal ob ein Mensch sie auslöst oder ein Agent. Quer durch die Hallen landeten die Gespräche bei denselben Fragen: Hat der Agent eine eigene Identität, wann laufen seine Rechte ab, welche Datenspur hinterlässt er und welcher Mensch ist für ihn verantwortlich?
Außerhalb der IT ist die Skepsis längst da. Nur vier Prozent der Deutschen würden eine Transaktion vollständig einer KI überlassen, ohne dass am Ende ein Mensch zustimmt. Für jeden Agenten sollte deshalb feststehen, welche Aktionen eine menschliche Freigabe brauchen und wie sich seine Ausführung zuverlässig stoppen lässt.
Was ist eine Agenten-Identität? Mit einer eigenen Identität handelt ein KI-Agent unter eigenen Rechten. Dazu gehören ein Ablaufdatum der Berechtigungen, eine nachvollziehbare Datenspur und ein Mensch, der für den Agenten verantwortlich ist. So lässt sich jederzeit sagen, was ein Agent darf, was er getan hat und wer dafür geradesteht.
Das Patch-Fenster schrumpft
KI beschleunigt die Suche nach Schwachstellen und verkürzt die Zeit bis zu ihrer Ausnutzung. Zugleich öffnen KI-Werkzeuge und Agenten der eigenen Mitarbeitenden neue Einfallstore. Die Angriffsfläche wächst also, während das Zeitfenster für die Abwehr kleiner wird.
In den Gesprächen war die Konsequenz klar: Wer Schwachstellen der Reihe nach abarbeitet, kommt zu spät. Entscheidend ist die Rangfolge. Welche Lücke ist von außen erreichbar, welche lässt sich tatsächlich ausnutzen und welche trifft einen Prozess, der nicht ausfallen darf?
Diese Kriterien gehören festgelegt, bevor der nächste kritische Patch ansteht. Im Ernstfall fehlt die Zeit, darüber zu verhandeln.
Der CRA misst Meldewege in Stunden
Für Hersteller ist Tempo seit dem 11. September 2026 auch eine Rechtsfrage. Seitdem müssen sie nach dem Cyber Resilience Act, der Verordnung (EU) 2024/2847, aktiv ausgenutzte Schwachstellen in Produkten mit digitalen Elementen sowie schwere Sicherheitsvorfälle mit Auswirkung auf deren Sicherheit über die Meldeplattform der ENISA melden. Die Fristen sind knapp.
Wer Meldewege, die in Stunden funktionieren, erst im Ernstfall aufbaut, reißt die erste Frist. Weil die beiden Abschlussberichte an unterschiedlichen Zeitpunkten hängen, braucht der Meldeprozess zwei getrennte Uhren. Vollständig gilt der CRA ab dem 11. Dezember 2027. Damit werden die Meldewege zum festen Posten im Security-Etat.
Resilienz, Souveränität und Grundlagen
Resilienz hieß in Nürnberg vor allem, vorab festzulegen, was nach einem Angriff zuerst wieder laufen muss. Diese Reihenfolge gehört geübt, samt Krisenkommunikation und Entscheidungen unter Zeitdruck. Dazu zählt ein Ausweichkanal für die Kommunikation, der auch bei ausgefallener IT funktioniert. Er muss in der Übung mitlaufen.
Dasselbe Bild zeigte sich wenige Wochen zuvor in Berlin. Beim ECSO CISO Meetup (SecurityToday war Medienpartner) standen Anfang Oktober Resilienz, KI, Cloud- und OT-Sicherheit sowie Regulierung oben auf der Agenda. Nürnberg hat diese Prioritäten bestätigt.
Souveränität wurde in den Hallen als Betriebsentscheidung diskutiert. Wo liegen die Daten, wer hält die Schlüssel und wie kommt ein Unternehmen aus einem Dienst wieder heraus? Wer diese drei Fragen für seine kritischen Dienste beantworten kann, hat mehr gewonnen als mit jedem Bekenntnis zur digitalen Souveränität.
Und dann die Grundlagen. Segmentierung, Patchlevel und Fernwartungszugänge bleiben die größten Baustellen. In der OT ist der Fernzugriff ein Dauerthema. Dazu kommt der Zertifikatsbetrieb. Neu ausgestellte öffentliche TLS-Zertifikate gelten ab dem 15. März 2027 höchstens 100 Tage, ab dem 15. März 2029 nur noch 47 Tage. Ausstellung und Erneuerung müssen also automatisch und verlässlich laufen.
Was CISOs bis zur it-sa 2027 erledigen sollten
Bis zur nächsten it-sa sind es knapp zwölf Monate. Für diese Zeit empfehlen wir Sicherheitsverantwortlichen fünf Punkte.
Bis zur it-sa 2027
- ✓Ein Verzeichnis aller KI-Agenten anlegen, mit eigener Identität, Ablaufdatum, Datenspur und verantwortlichem Menschen für jeden Agenten.
- ✓Kriterien für die Rangfolge von Schwachstellen festlegen, bevor der nächste kritische Patch ansteht.
- ✓Die Meldekette für Frühwarnung und detaillierte Meldung testen und beide Pfade für Abschlussberichte in denselben Ablauf aufnehmen.
- ✓Wiederanlauf, Krisenentscheidungen und einen Ausweichkanal für die Kommunikation in einer gemeinsamen Übung durchspielen.
- ✓Für jeden kritischen Dienst Standort, Schlüsselhoheit und Ausstiegsfähigkeit festhalten und offene Befunde bei Segmentierung, Patchlevel und Fernwartung mit Verantwortlichen und Terminen versehen.
Die nächste it-sa Expo läuft vom 5. bis 7. Oktober 2027, erstmals mit Halle 10 und einer neuen it-sa Conference. Spätestens dann zeigt sich, wie viele Unternehmen ihren Agenten eine eigene Identität gegeben haben.
Häufige Fragen
Jede Frage ist verschlossen. Ein Tippen entriegelt die Antwort.
Was war das wichtigste Thema der it-sa 2026?
Aus unserer Sicht die Kontrolle über KI-Agenten. In vielen Unternehmen arbeiten Agenten mit den Rechten der Menschen, die sie beauftragen. Gefragt sind eigene Identitäten mit Ablaufdatum, Datenspur und verantwortlichem Menschen.
Welche Fristen gelten für Meldungen nach dem Cyber Resilience Act?
Die Frühwarnung ist binnen 24 Stunden nach Kenntniserlangung fällig, die detaillierte Meldung binnen 72 Stunden. Abschlussberichte folgen bei ausgenutzten Schwachstellen 14 Tage nach Bereitstellung einer Abhilfe, bei schweren Vorfällen einen Monat nach der detaillierten Meldung.
Wann findet die it-sa 2027 statt?
Vom 5. bis 7. Oktober 2027 in Nürnberg. Mit Halle 10 belegt die Messe dann sechs Hallen und wird um eine neue it-sa Conference ergänzt.
Lesetipps der Redaktion
LesetippKI-Agenten: Nur 4 Prozent der Deutschen geben Kontrolle abLesetippBinance verliert Milliarden über die eigene SignaturLesetippECSO CISO Meetup in Berlin mit Rekordbeteiligung
Bildquelle: KI-generiert (Oktober 2026)
Mehr aus dem MBF Media Netzwerk
cloudmagazinOracle: Cloud-Infrastruktur wächst um 121 Prozent
MyBusinessFutureStudie der Hochschule München: Wie KI die Unternehmensberatung verändert
Digital ChiefsTech-Karte Europa: 1.400 Firmen in acht Zukunftsfeldern





