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Case Studies

Ransomware bei Pilz: Produktionsniveau vor der IT zurück

Von Benedikt Langer · 3. Oktober 2026 · 5 Minuten Lesezeit

Nach einem Ransomwareangriff schaltete der Automatisierungsanbieter Pilz im Oktober 2019 sämtliche Netzwerke und Server ab. Am 21. November meldete das Unternehmen für seine europäischen Produktionsstandorte wieder das frühere Produktionsniveau. Bis alle Beschäftigten wieder sämtliche IT-Dienste nutzen konnten, rechnete Pilz noch mit weiterem Zeitbedarf.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pilz schaltete nach der Erkennung des Angriffs am 13. Oktober 2019 sämtliche Netzwerke und Server ab. So sollte eine weitere Ausbreitung verhindert werden.
  • Pilz verweigerte die Forderungen der Angreifer. Das Unternehmen wollte weitere Angriffe nicht finanzieren und eigene Daten sowie Kundendaten vor zusätzlicher Gefährdung schützen.
  • Produktion und IT kamen getrennt zurück. Die europäischen Werke erreichten im November 2019 wieder das frühere Produktionsniveau, als die vollständige Wiederherstellung der IT-Dienste noch ausstand.

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Ausgangslage in Ostfildern

Pilz, ein Automatisierungsanbieter mit Stammsitz in Ostfildern, zählte im November 2019 nach eigenen Angaben rund 2.500 Mitarbeiter. Zu den geschäftsführenden Gesellschaftern gehörten Thomas Pilz und Susanne Kunschert. Die Gruppe betrieb Produktionsstandorte in Europa und Server an Standorten weltweit. Geschäftsvorgänge wie Aufträge erfasste das Unternehmen in einem SAP-System.

Was ist Ransomware? Ransomware ist Schadsoftware, die Daten auf befallenen Systemen verschlüsselt und damit unbrauchbar macht. Die Angreifer verlangen anschließend eine Zahlung für die Entschlüsselung. Die Schadsoftware kann sich über Netzwerkverbindungen auf weitere Systeme ausbreiten.

Zeitachse des Angriffs

Am 13. Oktober 2019 erkannte Pilz den Angriff. Die Täter setzten Ransomware ein, also Schadsoftware, die Daten verschlüsselt und nur gegen Zahlung wieder freigeben soll. Sie verschlüsselten weltweit einen Teil der Daten auf Servern des Unternehmens. Noch nach der Erkennung schaltete Pilz sämtliche Netzwerke und Server ab.

Die ersten Krisentage organisierte das Unternehmen mit Whiteboards, sicheren Messenger-Diensten und Arbeitsgruppen. Nach Angaben von Thomas Pilz lief die Produktion in der dritten Woche nach dem Angriff wieder an. In der sechsten Woche waren nach seinen Angaben alle Werke wieder online. Am 21. November 2019 meldete Pilz für die europäischen Produktionsstandorte wieder das frühere Produktionsniveau. Anfang Februar 2020 legte das Unternehmen offen, warum es die Forderungen der Angreifer verweigert hatte.

Entscheidungen in der Krise

Die erste dokumentierte Entscheidung betraf die eigene Infrastruktur. Pilz nahm sämtliche Netzwerke und Server vom Netz, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Damit stand die gewohnte IT auch für die Bewältigung der Krise nicht mehr zur Verfügung.

Die zweite Linie zog Susanne Kunschert. Sie erklärte Kundenbetreuung und Belieferung zur obersten Priorität. Nach Angaben der VDI nachrichten verschickte Pilz zwischenzeitlich Lagerware von Hand und dokumentierte Aufträge handschriftlich.

Die dritte Entscheidung betraf das Geld. Pilz verweigerte die Forderungen der Angreifer und begründete das mit zwei Argumenten. Das Unternehmen wollte weitere Angriffe nicht finanzieren. Zudem sollten eigene Daten und Kundendaten keiner zusätzlichen Gefährdung ausgesetzt werden.

Wiederanlauf von Produktion und IT

Der Wiederanlauf verlief in Etappen. Nach der dritten Woche lief die Produktion wieder, in der sechsten Woche waren nach Angaben von Thomas Pilz alle Werke online. Im November 2019 arbeiteten die europäischen Standorte wieder auf dem früheren Produktionsniveau.

Mit dem früheren Produktionsniveau war die IT-Wiederherstellung noch nicht abgeschlossen. Pilz erwartete zu diesem Zeitpunkt weiteren Zeitbedarf, bis sämtliche IT-Dienste allen Mitarbeitern wieder vollständig zur Verfügung standen. Sobald wieder saubere Rechner verfügbar waren, wurden die handschriftlich erfassten Vorgänge im SAP-System nachgepflegt.

Lehre für CISOs im DACH-Raum

Aus dem dokumentierten Verlauf lassen sich für Sicherheitsverantwortliche fünf Folgerungen ziehen.

Häufige Fragen

Jede Frage ist verschlossen. Ein Tippen entriegelt die Antwort.

Wurden bei dem Angriff auf Pilz Kundendaten gestohlen?

Nach damaligen Angaben von Thomas Pilz wurden Kunden- und Lieferantendaten bei dem Angriff nicht gestohlen. Die Angreifer verschlüsselten einen Teil der Daten auf Servern des Unternehmens.

Wie arbeiteten Produktion und Logistik beim Wiederanlauf?

Als die europäischen Standorte im November 2019 wieder das frühere Produktionsniveau erreichten, arbeiteten Produktion und Logistik in zusätzlichen Schichten. Kundenbetreuung und Belieferung hatte Susanne Kunschert zur obersten Priorität erklärt.

Welche Forderung richtete Pilz an Wirtschaft und Politik?

Susanne Kunschert forderte eine stärkere Zusammenarbeit von Unternehmen, Verbänden, Behörden und Politik. Ziel war, anderen Organisationen vergleichbare Erfahrungen zu ersparen.

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