Cybercrime rückläufig – aber nur aus dem Inland
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So wie die Kriminalität insgesamt sind auch Cyberangriffe, Betrug und Mobbing im Internet rückläufig. Das betrifft aber nur die Vorfälle aus dem Inland. Samt den Straftaten aus dem Ausland ist Cybercrime weiter auf dem Vormarsch.
Das Wichtigste in Kürze
- Inlandsfälle sinken: Die Zahl inländischer Cyberstraftaten sank 2024 um 3.016 auf 131.391 Fälle.
- Auslandsfälle steigen: Aus dem Ausland verübte Cyberstraftaten stiegen auf 201.877 – ein Plus von 6 Prozent.
- Aufklärungsquote minimal: Nur 2,2 Prozent der Auslandsfälle werden aufgeklärt.
- Hauptbedrohungen: Call-Center-Betrug, Identitätsdiebstahl, Ransomware und Phishing-Kampagnen.
- Politik fordert Ausbau: Bessere internationale Zusammenarbeit und digitale Kompetenzen bei Polizei und Justiz.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser von der SPD hat gemeinsam mit dem BKA-Präsidenten Holger Münch und dem Bremer Innensenator Ulrich Mäurer stellvertretend für die Innenminister der Länder am 2. April 2025 die neue Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für 2024 vorgelegt. Demnach ist die Zahl der Straftaten, auch „dank“ der Legalisierung von Cannabis, insgesamt gesunken. Allerdings gab es mehr Gewaltdelikte. Und auch die Cybercrime-Statistik bedarf einer genaueren Betrachtung.
Wenn das Call-Center dreimal klingelt
Demnach ist die Zahl der aus dem Inland erfolgten Straftaten im Bereich Cyberbetrug, Cyberangriffen und Übergriffen in den sozialen Medien um 3.016 auf 131.391 Fälle gesunken, die aus dem Ausland aber auf 201.877 noch einmal gestiegen. „Wenn wir die Auslandsstraftaten betrachten, haben wir einen Anstieg um 6 Prozent“, zitiert heise online Holger Münch. Dabei sei die Aufklärungsquote mit gerade mal 2,2 Prozent verschwindend gering, was der BKA-Präsident unter anderem auch mit der zum Teil schwierigen Zusammenarbeit mit ausländischen Behörden begründet.
Cybercrime kennt keine Grenzen: Während inländische Fälle rückläufig sind, steigt die Zahl internationaler Angriffe weiter an. Die digitale Bedrohung bleibt hoch. (Bildquelle: Adobe Stock / gankevstock)
Aus dem Ausland mehren sich vor allem Call-Center-artige Betrugsvorfälle mit zum Teil sehr dubiosen Gewinnversprechen oder Hinweisen, dass angeblich Angehörige der Opfer in Gefahr seien. In Großbritannien setzt man gegen solche betrügerische Anrufe bereits KI ein. Münch und das BKA sehen aber vor allem Sensibilisierung der Öffentlichkeit als Mittel, um solchen Betrugsfällen im Vorfeld zu begegnen. Der Fokus sei hier, sich weniger um den Einzelfall zu kümmern, als viel mehr die Strukturen der Hinterleute in den Blick zu nehmen, so der BKA-Präsident.
Das gilt auch für weitere Delikte wie Identitätsdiebstahl, Ransomware-Attacken oder komplexe Phishing-Kampagnen. Die geringe Aufklärungsquote in all diesen Bereichen verdeutlicht die Grenzen der Strafverfolgung im digitalen Raum. Innenministerin Faeser betonte daher die Notwendigkeit einer besseren internationalen Zusammenarbeit, um die Täter hinter diesen digitalen Angriffen effektiver zu verfolgen. Zudem soll der Ausbau digitaler Kompetenzen bei Polizei und Justiz vorangetrieben werden, um der wachsenden Komplexität im Bereich Cybercrime gerecht zu werden.
Warum die Statistik trügt
Die sinkende Inlandsstatistik darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die reale Bedrohungslage wächst. Das BKA geht von einem erheblichen Dunkelfeld aus: Viele Cyberangriffe werden gar nicht gemeldet, insbesondere im Mittelstand. Unternehmen scheuen den Reputationsverlust, der mit einer öffentlichen Meldung einhergeht. Die tatsächliche Zahl der Angriffe dürfte daher deutlich höher liegen als die Statistik vermuten lässt.
Hinzu kommt: Die Professionalisierung der Angreifer schreitet voran. Ransomware-as-a-Service, automatisierte Phishing-Kits und KI-gestützte Social-Engineering-Angriffe senken die Einstiegshürden für Cyberkriminelle. Was früher technisches Know-how erforderte, lässt sich heute im Darknet als Dienstleistung einkaufen.
Internationale Dimension als Kernproblem
Die geringe Aufklärungsquote bei Auslandsstraftaten verdeutlicht ein strukturelles Problem: Cyberkriminalität kennt keine Ländergrenzen, die Strafverfolgung aber schon. Während Angreifer aus Osteuropa, Südostasien oder Afrika operieren, stoßen deutsche Ermittler an jurisdiktionelle Grenzen. Die EU-weite Zusammenarbeit über Europol und das European Cybercrime Centre (EC3) funktioniert, aber die Kooperation mit Nicht-EU-Staaten bleibt schwierig.
BKA-Präsident Münch betonte, dass der Fokus weniger auf Einzelfällen liegen sollte als auf den Strukturen dahinter. Die Zerschlagung von Infrastrukturen – etwa Botnetze, Marktplätze oder Geldwäschenetzwerke – sei wirksamer als die Verfolgung einzelner Täter. 2024 gelangen hier einige Erfolge, darunter die Abschaltung mehrerer großer Darknet-Marktplätze.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
Angesichts der wachsenden internationalen Bedrohungslage sollten Unternehmen ihre Cybersicherheit nicht allein von der Inlandsstatistik ableiten. Empfohlene Maßnahmen umfassen regelmäßige Security Awareness Trainings, die Implementierung von Zero-Trust-Architekturen, Incident-Response-Pläne mit klaren Eskalationswegen sowie die Zusammenarbeit mit CERTs und Branchenverbänden. Besonders der Mittelstand, der häufig weder Budget noch Personal für dedizierte Security-Teams hat, sollte externe Expertise nutzen.
Key Facts auf einen Blick
Inlandsfälle 2024: 131.391 (minus 3.016 zum Vorjahr)
Auslandsfälle 2024: 201.877 (plus 6 Prozent)
Aufklärungsquote Ausland: 2,2 Prozent
Gesamtschaden Cybercrime DE: Über 178 Milliarden Euro jährlich (Bitkom)
Hauptvektoren: Call-Center-Betrug, Ransomware, Phishing, Identitätsdiebstahl
Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik 2024 (PKS), BKA
Fakt: Laut BKA Bundeslagebild 2024 stiegen aus dem Ausland verübte Cyberstraftaten um 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Fakt: Europol schätzt, dass über 60 Prozent aller Cybercrime-Delikte in der EU auf organisierte Gruppen außerhalb des europäischen Rechtsraums zurückgehen.
Häufige Fragen
Ist Cybercrime in Deutschland wirklich rückläufig?
Nur auf den ersten Blick. Die Inlandsfälle sanken um rund 3.000, aber die aus dem Ausland verübten Straftaten stiegen um 6 Prozent auf über 200.000. Das BKA geht zudem von einem erheblichen Dunkelfeld aus, da viele Angriffe nicht gemeldet werden.
Warum ist die Aufklärungsquote bei internationalen Cyberangriffen so niedrig?
Mit 2,2 Prozent ist die Quote extrem gering. Hauptgrund ist die schwierige internationale Zusammenarbeit: Cyberkriminelle operieren länderübergreifend, die Strafverfolgung stößt an jurisdiktionelle Grenzen. Insbesondere die Kooperation mit Nicht-EU-Staaten bleibt problematisch.
Welche Cyberangriffe nehmen aktuell am stärksten zu?
Besonders stark wachsen Call-Center-artige Betrugsmaschen mit gefälschten Gewinnversprechen, Ransomware-Angriffe auf Unternehmen, komplexe Phishing-Kampagnen mit KI-Unterstützung sowie Identitätsdiebstahl. Die Professionalisierung durch Cybercrime-as-a-Service senkt die Einstiegshürden für Täter.
Was fordert die Politik gegen Cyberkriminalität?
Innenministerin Faeser und BKA-Präsident Münch setzen auf bessere internationale Zusammenarbeit, den Ausbau digitaler Kompetenzen bei Polizei und Justiz sowie die Zerschlagung krimineller Infrastrukturen statt reiner Einzelfallverfolgung.
Wie können sich Unternehmen besser schützen?
Empfohlen werden regelmäßige Security Awareness Trainings, Zero-Trust-Architekturen, Incident-Response-Pläne, die Zusammenarbeit mit CERTs und Branchenverbänden sowie externe Security-Expertise – besonders für den Mittelstand ohne eigene Security-Teams.
Weiterführende Lektüre im Netzwerk
Wie Zero Trust in der Praxis umgesetzt wird, erklärt Security Today: Zero Trust in der Mediaplanung
Warum Cybersecurity zur Chefsache wird, analysiert Digital Chiefs: digital-chiefs.de
Cloud-Security-Strategien für den Mittelstand im cloudmagazin: cloudmagazin.com
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