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Strategie & Governance

NIS2: Alle Details und Hintergründe zur neuen EU Cybersecurity-Richtlinie

Von Benedikt Langer · 2. August 2023 · 5 Minuten Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

EU einigt sich auf neue Cybersecurity-Richtlinie: Was NIS2 für Unternehmen bringt

Es gibt eine neue EU-Richtlinie, die sich mit der Angleichung EU-weiter Standards im Bereich der Cybersecurity befasst und weitreichende Vorgaben für Unternehmen beinhaltet. Bis die Regelung nächstes Jahr in allen Mitgliedsstaaten in Kraft tritt bleibt nur noch wenig Zeit.

Bis zum 17. Oktober 2024 müssen die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union die neue EU-Richtlinie NIS2 – zur Regulierung der Network and Information Security – in geltendes Recht übertragen. Unternehmen haben also nur noch etwas mehr als ein Jahr Zeit, um sich auf die Veränderungen einzustellen und ihre Prozesse und Systeme den neuen Vorgaben entsprechend auszurichten. Ziel der neuen Richtlinie ist „die Vertiefung und inhaltliche Erweiterung der Anforderung an die Cybersicherheit zu einem verbesserten Schutz im Sinne der Verstärkung, Modernisierung und Ausweitung von zentralen Vorgaben.“

Weit mehr Unternehmen betroffen

Im Klartext hat die EU zum Ziel, die europaweiten Standards in der Cybersecurity weiter zu vereinheitlichen und auf mehr Branchen und Unternehmen auszuweiten sowie die Widerstandsfähigkeit gegen Bedrohungen aus dem Cyberraum insgesamt zu stärken. NIS2 schließt daher jetzt auch Betriebe ab 50 Mitarbeitenden und 10 Millionen Euro Jahresumsatz mit ein. Zusätzlich beinhaltet die neue Richtlinie klare Vorgaben bezüglich der „wesentlichen“ und „wichtigen Sektoren“, für die besondere Regeln gelten.

In der Vorgängerversion NIS aus dem Jahr 2016 konnte jedes Mitgliedsland selbst diese Sektoren definieren. In NIS2 hat die EU eindeutig festgelegt, welche Branchen unter die jeweiligen Kategorien fallen. Dazu gehören für die „wesentlichen Sektoren“ die Bereiche Energie, Gesundheit, Transport, Banken und Versicherungen, Wasser und Abwasser, Netzwerkanbieter sowie ICT-Dienstleister, Raumfahrt und die öffentliche Verwaltung. Unter die „wichtigen Sektoren“ fallen Post und Kurier, Abfallwirtschaft, Chemie, Ernährung, Industrie, Digitale Dienste und Forschung.

Weitreichende Vorgaben für die Cybersecurity

NIS2 beinhaltet strenge Vorgaben für den Schutz der digitalen Infrastruktur der EU und geht dabei auch über das deutsche IT-Sicherheitsgesetz 2.0 hinaus. Zentrales Element der Richtlinie ist die Pflicht zur Integration einer IT-Sicherheitsstrategie in die globale Unternehmenssteuerung. Dazu gehören genaue Regeln bezüglich des Risikomanagements sowie der Sensibilisierung und Schulung von Mitarbeitenden, Vorgaben zur Meldung von Vorfällen und Bestimmungen zu Notfallplänen für den Ernstfall.

Zusätzlich beinhaltet NIS2 Vorgaben zu den Themen Datenschutz und -sicherung, Data Access Management, Schwachstellenmanagement und Verschlüsselung, die alle unter dem Begriff der „Cyberhygiene“ zusammengefasst sind. Für die Umsetzung müssen Unternehmen alle bisherigen Prozesse und Maßnahmen überprüfen, ihre eigenen Anforderungen mit den Vorgaben der Richtlinie in Einklang bringen und dabei die sich schnell wandelnde IT-Welt mit neuen Technologien und Herausforderungen durch Cyberkriminelle im Blick behalten.

Die Zeit läuft: Bis 17. Oktober 2024 müssen die EU-Mitgliedsstaaten NIS2 in nationales Recht übertragen. Bis dahin haben Unternehmen Zeit, um sich auf die Vorgaben einzustellen und ihre Systeme und Prozesse anzupassen.
Denn Vorsicht, bei Verstößen drohen hohe Bußgelder von bis zu 10 Millionen Euro!

Key Facts

Geltungsbereich: Unternehmen ab 50 Mitarbeitenden und 10 Millionen Euro Jahresumsatz

Umsetzungsfrist: 17. Oktober 2024 für die nationale Umsetzung in allen EU-Mitgliedsstaaten

Bußgelder: Bis zu 10 Millionen Euro bei Verstößen

Wesentliche Sektoren: Energie, Gesundheit, Transport, Banken, Wasser, IT-Dienstleister, Raumfahrt, öffentliche Verwaltung

Fakt: Laut BKA entstand deutschen Unternehmen 2024 durch Cyberkriminalität ein Schaden von über 206 Milliarden Euro.

Fakt: Die durchschnittliche Verweildauer eines Angreifers im Netzwerk beträgt laut Mandiant 10 Tage.

Häufige Fragen

Was ist NIS2 und wen betrifft die Richtlinie?

NIS2 ist die überarbeitete EU-Richtlinie zur Regulierung der Netz- und Informationssicherheit. Sie betrifft Unternehmen ab 50 Mitarbeitenden und 10 Millionen Euro Umsatz in definierten wesentlichen und wichtigen Sektoren – deutlich mehr Unternehmen als die Vorgängerversion NIS von 2016.

Was sind die Kernforderungen von NIS2?

NIS2 verlangt die Integration einer IT-Sicherheitsstrategie in die Unternehmenssteuerung, Risikomanagement-Prozesse, Meldepflichten bei Vorfällen, Notfallpläne, Mitarbeiterschulungen sowie Maßnahmen zu Datenschutz, Verschlüsselung und Schwachstellenmanagement.

Welche Strafen drohen bei Nichteinhaltung?

Bei Verstößen gegen die NIS2-Vorgaben drohen Bußgelder von bis zu 10 Millionen Euro. Die Höhe richtet sich nach der Schwere des Verstoßes und der Unternehmensgröße.

Was unterscheidet NIS2 von der ursprünglichen NIS-Richtlinie?

NIS2 definiert erstmals EU-weit einheitlich die betroffenen Sektoren, erweitert den Geltungsbereich auf mehr Branchen und kleinere Unternehmen und verschärft die Anforderungen an Risikomanagement und Vorfallsmeldung.

Wie sollten Unternehmen sich auf NIS2 vorbereiten?

Unternehmen müssen bestehende Prozesse und Maßnahmen mit den NIS2-Vorgaben abgleichen, eine IT-Sicherheitsstrategie in die Geschäftsführung integrieren und ihre Mitarbeitenden schulen. Ein Gap-Assessment ist der empfohlene erste Schritt.

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